Du bist Deutschland, Klinsmann braucht Dich! 19. Juni 2006
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Jürgen Klinsmann
Der Bundestrainer hat für die WM fast nur junge, pflegeleichte Spieler nominiert, die sich leicht führen lassen. Es fehlen aggressive Beißer mit starkem Durchsetzungsvermögen. Dennoch kann er mit dieser Mannschaft Weltmeister werden, sagt Professor André Bapst, der anhand der Physiognomie den Charakter und das Gewinner-Potential unserer Spieler analysiert hat. Den Titel holen sie aber nur dann, wenn das ganze Land hinter Klinsi steht.
Von Lena Fabian
Normalerweise beschäftigt sich Professor André Bapst mit Personalmanagement und mit der genetisch-neurologischen Identitätsentwicklung, wie er das fachlich bezeichnet. Nämlich damit, wie man anhand von Körpermerkmalen die Stärken und Schwächen eines Menschen erkennt und wie man ihn innerhalb eines Unternehmens seinen Fähigkeiten entsprechend richtig einsetzt. Dafür hat er ein Modell entwickelt, das er „GEN-Prinzip“ nennt.

André Bapst
André Bapst ist Professor für Human Ressource Management und Vorstandsvorsitzender der Europäischen Berufs- und Wirtschaftsakademie St. Gallen (Schweiz). Mit seinem Modell hat er untersucht, wie sich die Physiognomie unserer Spieler auf ihre Psyche und auf das Verhalten in Stresssituationen auswirkt. Das Nationalteam vergleicht der 39jährige André Bapst mit einem Unternehmen, das vom Chef zum Erfolg oder in den Ruin gelenkt wird.
WM-Sieg oder Pleite – beides hält Professor Bapst für möglich. „Der unkonventionelle Führungsstil von Klinsmann bedingt die absolute Akzeptanz der Spieler.“, sagt er. „Wenn die deutsche Mannschaft gleich gut ins Spiel kommt und keine Gegentore kassiert, kann sie sich in einen Rausch steigern. Die Spieler werden dann den Klinsmann-Methoden vertrauen. Mit der Euphorie, die entsteht, können sie Berge versetzen und sogar Weltmeister werden. Gefährlich für uns wird es, wenn die Mannschaft gleich am Anfang in Rückstand und dadurch unter Druck gerät. Dann kommen schnell massive Selbstzweifel auf, die Spieler stellen sich in Frage. Sie denken zu viel: was ist, wenn… Sie können mental nicht loslassen, was zu einer Leistungsblockade führt. Nichts geht mehr in so einem Fall – und das bedeutet ein schnelles Aus.“
Dennoch bescheinigt der Professor Klinsmann optimale Trainereigenschaften.
„Für diese Mannschaft ist er der richtige Coach. Klinsmann ist für die Spieler ein wichtiger Motivator, der Optimismus versprüht, immer lächelt und positiv nach vorne denkt. Dadurch gibt er ihnen Antrieb und Selbstvertrauen. Für mich entscheidet Klinsmann die WM“, sagt Professor Bapst.
„Er darf seinen Optimismus nicht verlieren, das ist sein Kapital. Nur so kann er die Mannschaft zum Sieg führen. Kritisch wird´s, wenn Klinsmann öffentlich angegriffen wird. Für solche Situationen braucht er selbst einen Coach.“
Das ist Klinsis wunder Punkt. Dort ist er genauso verletzbar wie seine Spieler, die laut „GEN-Prinzip“ ebenfalls an dieser Stelle am leichtesten einknicken und deshalb die Unterstützung des Trainers brauchen. Damit er selbst seinen Optimismus erhalten kann, müssen wir alle mithelfen.
Die Bapst-Prognosen für die WM:
● Klinsmann hat sein eigenes Mannschafts-Imperium geschaffen, das nach seinen Regeln funktioniert
● Klinsmann entscheidet die WM: Sieg oder Pleite hängen von seiner mentalen Stärke ab. Je nachdem, ob er es schafft, ein Konzept bis zum Schluss durchzuziehen und dabei seinen Optimismus zu bewahren.
● Es kommt darauf an, ob die Spieler voll und ganz hinter seinem Konzept stehen. Und wie Fans und Medien die Mannschaft unterstützen.
● Das Team hat ein großes, vielleicht ein zu großes, Harmoniebedürfnis und ist besonders anfällig für Kritik von außen.
● Klinsmann setzt auf unverbrauchte, anpassungsfähige junge Burschen, die ihn als Chef anerkennen. Das ist für ihn die ichtige Strategie.
● Alle Skeptiker hat er aussortiert. Klinsmann hat bei der Auswahl der Spieler nicht nur auf die fußballerische Qualität geachtet, sondern auch darauf, wieviel Energie es ihn kosten würde, sie von seinen Methoden zu überzeugen.
● Es fehlen starke Gewinnerpersönlichkeiten wie Kahn oder Effenberg, die Stimmung machen und die als Leitwölfe die Mannschaft nach vorne bringen können.
● Entweder wir werden mit Karacho Weltmeister oder wir gehen in Harmonie ziemlich schnell unter – und scheiden mit Schimpf und Schande aus.
So funktioniert das „GEN-Prinzip“
Kennen Sie Menschen, die essen können, was sie wollen, ohne dick zu werden? Und wissen Sie auch, woran das liegt? An ihrem körperlichen Konstitutionstypus, der für den Stoffwechsel verantwortlich ist. Unter Konstitution versteht man in der Medizin Körperbau, Leistungsfähigkeit und seelisches Verhalten.
Alle drei bedingen sich gegenseitig.
Die Physiognomie (Körperbau) eines Menschen ist genetisch festgelegt. Der eine hat breite Schultern und schmale Hüften oder umgekehrt, ein rundes oder eckiges Gesicht, eine kleine oder große Nase, knochige oder fleischige Hände. Das ist ohne Schönheits-OP nicht einfach zu ändern.
Unsere Körpermerkmale, für jeden gut sichtbar, sind durch Informationen, die von unserem Gehirn ausgehen, geprägt. In dem Modell von Professor Bapst ist von drei Gehirnen die Rede: vom Hirnstamm, Lymbisches System und Großhirn. Diese Gehirnteile haben sich im Laufe der Evolution zu verschiedenen Zeiten entwickelt. Die Aufteilung dieser drei Gehirnteile ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Durch die Gehirnforschung weiß man, dass jeder Teil andere Informationen speichert und für verschiedene Eigenschaften zuständig ist.
Die drei Gehirne unterscheiden sich in Aufbau und Funktion, agieren aber als Einheit. Sie bestimmen unser Aussehen, z.B. ob wir rundlich oder hager, schmal oder kurvig gebaut sind. Und sie haben Einfl uss auf unsere Psyche und auf unser Verhalten.
Zusammenhang zwischen
Physiognomie, Gehirn und Psyche
Mit seinem „GEN-Prinzip“ erklärt Professor Bapst, auf welche Stärken und Schwächen man aufgrund des Aussehens bei einem Menschen schließen kann.
Um das Modell für jeden transparent zu machen, vergleicht Professor Bapst den Menschen gern mit einem Computer. „Die Physiognomie ist die biologische Hardware, die Erziehung und die Prägungen des sozialen Umfeldes die psychologische Software des Menschen. Wichtig ist, dass beides zusammen passt. Mit der falschen Software funktioniert der Computer nicht und umgekehrt. Bei der Analyse eines Menschen wird oft der Fehler gemacht, dass nur die psychologischen Verhaltensmuster (Software) berücksichtigt werden, die körperlichen Merkmale werden meist völlig außer Acht gelassen. Das führt zu falschen Schlüssen in der Beurteilung der Anlagen und Fähigkeiten eines Kandidaten wie das zum Beispiel bei Einstellungstests häufig der Fall ist“ – so Bapst.
„70 Prozent der Menschen wissen nicht, wo ihre Ressourcen liegen. Sie richten sich nach der Erwartungshaltung anderer. Das bringt sie innerlich in Stress. Diese Menschen vergeuden viel Energie und können ihre Fähigkeiten nicht optimal nutzen. Wer sich besser kennen lernen möchte, sollte nicht nur sein Verhalten analysieren, sondern auch seine biologische Grundausstattung, die genetische Hardware. Nur so kann er herausfi nden, ob seine Persönlichkeit authentisch ist.„
Das „GEN-Prinzip“, das André Bapst entwickelt hat, basiert vor allem auf den Lehren des amerikanischen Mediziners und Psychologen William Herbert Sheldon (1898-1977), des deutschen Psychiaters Ernst Kretschmer (1888-1964) und auf den Erkenntnissen des amerikanischen Hirnforschers Paul McLean, Direktor des Instituts für Hirn- und Verhaltenforschung in Poolesville (Maryland, USA).
Aufgrund der Körpermerkmale kann der Professor feststellen, in welchem Verhältnis die drei Gehirnteile, die jeder besitzt, zueinander stehen. Die Größe des Hirnstamms zeigt, wie wichtig andere Menschen für uns sind. Der Anteil des Lymbischen Systems deutet darauf hin, wieviel Aktions- und Tatendrang wir besitzen. Der Anteil des Großhirns offenbart, wie strategisch und planerisch wir denken und handeln. Die Größe der Anteile legt fest, welche Charaktereigenschaften einen Menschen dominieren, welcher Teil die Herrschaft über das Handeln und Denken übernimmt. Demnach spricht Professor Bapst von einem Beziehungs-, Aktions- oder Strategie-Typen. Der kleinste Gehirnteil zeigt, welche Schwächen und Defizite vorhanden sind und welche Chancen daraus entstehen. Aus der Aufteilung der drei Gehirne kann man die besonderen Fähigkeiten eines Menschen erkennen und darauf seine Ziele aufbauen.
Welcher Spieler-Typ dominiert die Mannschaft?
Professor Bapst hat anhand der Körpereigenschaften unserer Nationalspieler untersucht, wo deren Stärken und Schwächen liegen und wie sie in Stresssituationen reagieren. Daraus hat er seine WM-Prognosen abgeleitet. Für jeden Spieler wurde ein „Biogramm“ erstellt. Darin sind 22 Körpermerkmale ausgewertet: die Kopfform, die einzelnen Gesichtsmerkmale, der Körper- und Knochenbau und die Hände.
Da diese Körpermerkmale durch die Gehirnaufteilung beeinflusst werden, kann der Professor davon ableiten, wieviele Aktions-, Beziehungs- und Strategieanteile ein Spieler hat, die sein Denken und Handeln bestimmen. Er kann feststellen, welche Anteile dominant und welche defi zitär sind. Und wie sich diese Konstellation auf das Verhalten des Spielers auswirkt, wie er mit Stress und Krisen umgeht, wo er innerhalb der Mannschaft die beste Leistung bringt und wie er vom Trainer gelenkt werden sollte, um seine höchste Leistung zu erreichen.
Mit seinem Laptop kann der Professor auf Knopfdruck die Auswertung für jeden Spieler sofort abrufen. Auf einen Blick erkennt er, wo dessen Potentiale liegen. So kann er auch die Werte der Mannschaft als Ganzes ermitteln.
Was bedeutet Aktions-Dominanz?
Je stärker das Lymbische System ausgeprägt ist, umso mehr handelt es sich um einen Aktions-Menschen. Er ist der mesomorphe (muskulöse) Körperbautyp.
Darauf weisen folgende Körpermerkmale hin:
Muskulöser Körperbau, kräftiges Bindegewebe, straffe Haut. Breite Schultern, schmale Hüften. Markante Gesichtszüge, hager und knochig. Ausgeprägte Wangenknochen und Kinn. Neigt zu Falten. Große, kräftige Hände, auffallende Fingerknöchel. Aufrechte, gespannte Haltung, dynamischer Gang. Menschen, die sich so beschreiben lassen, gehören zu den Aktions-Typen. Sie haben einen starken Tatendrang, lieben die Konkurrenz und den Wettbewerb. Sie wollen immer besser sein als andere, strahlen eine natürliche Autorität aus, wirken überzeugend. Diese Menschen brauchen regelmäßig Bewegung. Sie sind oft große Sportler. Durch ihre schnelle
Auffassungsgabe und ihren klaren Verstand sind sie gute Ratgeber. Sie erkennen Situationen und Probleme blitzschnell und reagieren spontan. Aber die Lösungen sind oft nur kurzfristig durchdacht. Deshalb müssen
sie auch Fehlschläge hinnehmen. Der Aktionsmensch lässt sich nicht unterkriegen. Er kann andere Menschen begeistern. Nicht selten fühlen diese sich durch seine autoritäre Art aber bevormundet.Was bedeutet Strategie-Dominanz?
Je stärker das Großhirns ausgeprägt ist, umso mehr handelt es sich um einen Strategiemenschen. Er ist der ektomorphe (hagere) Körperbautyp.
Darauf weisen folgende Körpermerkmale hin:
Knochiges, schlacksiges Erscheinungsbild, kaum Fett und Muskelmasse, zarte Figur, feine, dünne Haut. Geradliniger Körperbau, d.h. Schultern und Becken bilden eine Linie. Schmal, drahtig, zerbrechlich, neigt zu Untergewicht. Länglich-spitze Gesichtsform, zarte Gesichtszüge, hohe Stirn, schwach ausgeprägtes Kinn. Viele, feine Falten. Kleine Hände, zarte Handgelenke, schmale Finger. Steife, ungelenke Bewegungen. Menschen, die sich so beschreiben lassen, gehören zu den Strategie-Typen. Sie brillieren durch planerische Fähigkeiten und weisen ein zuverlässiges und strukturiertes Verhalten auf. Sie sind sehr ordnungsliebend, leben gern ruhig und zurückgezogen. Alle Aktivitäten werden genauestens geplant, alles wird überprüft. Ihr Denken basiert auf Daten, Fakten und Zahlen. Sie interessieren sich für Details und wirken dadurch auf andere oft kleinlich. Nichts wird dem Zufall überlassen, alles wird systematisch geplant. Sie haben ein fundiertes Wissen und eine ruhige, überzeugende Art. Alles, was sie tun, hat Hand und Fuß. Anderen gegenüber sind sie scheu und zurückhaltend, sie beobachten lieber. Sie mögen keine laute, hektische Umgebung.Was bedeutet Beziehungs-Dominanz?
Je stärker der Hirnstamm ausgeprägt ist, umso mehr handelt es sich um einen Beziehungs-Menschen. Er ist der endomorphe (rundliche) Körperbautyp.
Darauf weisen folgende Körpermerkmale hin:
Weiche, runde Körperformen, schmale Schultern, breite Hüften. Hang zu Übergewicht. Rundes Gesicht, weiche, breite Züge. Schlaffe Haut, wenig Falten, rosige Gesichtsfarbe, volle Lippen. Kleine Hände, kurze, kräftige Finger.Menschen, die sich so beschreiben lassen, gehören zu den Beziehungs-Typen. Sie haben ein ausgeprägtes Interesse an anderen Menschen und deren Lebensumständen. Sie pfl egen viele Kontakte und fühlen sich schnell allein gelassen. Sie haben eine herzliche, offene Ausstrahlung, sind sehr redselig und gesellig. Sie sind fürsorglich, bemuttern andere gern und vergessen sich selbst oft dabei. Sie können schlecht Nein sagen, passen sich gern an andere an und geraten dadurch oft in die Opferrolle.
Wie stark sind unsere Spieler wirklich
Jeder Mensch besitzt alle drei Teile des Gehirns, die aber unterschiedlich verteilt sind. Je stärker ein Hirnbereich ausgeprägt ist, desto mehr Einfluss hat er auf die Persönlichkeit des Menschen. Laut Prof. Bapst gibt es keine gute oder schlechte Gehirnstruktur, da jede gewisse Chancen birgt.
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Das muss man sich ungefähr so vorstellen, als müssten sich ein Beziehungs-, ein Aktions- und ein Strategie-Mensch auf ein Ziel einschwören. Jeder hätte eine andere Meinung, wie etwas am besten geht und jeder würde eine andere Vorgehensweise bevorzugen. Welcher Mensch bzw. welcher Teil von ihm würde sich also durchsetzen? Normalerweise derjenige, der aufgrund des größten Anteils am meisten zu sagen hat. Wenn wir jedoch unbewusst dem Gehirnteil folgen, der das geringste Leistungspotential hat, dann würden wir unser eigentliches Potential ignorieren. Das führt meistens zu Unsicherheit und Selbstzweifel. Bei einer Gleichverteilung der Anteile kann dies jedoch zu vielen inneren Konflikten führen.

Die Mannschaft:
Klinsmann hat sich die Spieler geholt, mit denen er menschlich gut klarkommt. Extreme Charaktere sind fast keine dabei. Er hat ein homogenes Mannschaftsgefüge geschaffen, das sehr harmoniebedürftig ist. Bis auf wenige Ausnahmen wird das Arbeiten mit diesem Team im Einklang mit dem Trainer verlaufen, da die meisten Spieler sehr anpassungsfähig sind.
Genetische Merkmale der Mannschaft:
Interessant ist, dass viele Spieler dem ektomorphen (hageren) Körperbautypus angehören. Bei Sportlern hätte man eher den mesomorphen, athletischen Typus erwartet. Viele Spieler verkörpern keine großen Extreme, genau wie Klinsmann selbst. Er hat die Mannschaft nach seinem Ebenbild zusammengestellt – eben lauter kleine Klinsmänner.
Stärken der Mannschaft:
Das Gesamtbild der Mannschaft ist sehr ausgeglichen, was dazu führt, dass dieses Team leicht handelbar und für neue Methoden offen ist.
Schwächen:
Unter Druck reagieren die Spieler mit Selbstzweifeln und Angst. Sollte Kritik aufkommen, wird es sehr schwer für unsere Jungs. Das könnte vor allem bei Erfolglosigkeit der Fall sein.

Joachim Löw
Er ist biologisch fast das Ebenbild von Klinsmann (s. Grafik). Sie unterscheiden sich fast nur in der Psychologie.
Während Klinsmann sich als unermüdlicher Optimist zeigt, ist Löw eher der Realist, der sich aber gern von Klinsis positivem Geist anstecken lässt. Er könnte der wichtigste Mann neben Klinsmann sein, der gegebenenfalls verhindert, dass wir im Spiel mit zu viel Optimissmus gegen die Wand fahren.
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